Oberjoch steigerte abermals die Attraktivität


Die Eröffnungsfahrt der Iselerbahn auf rotem Leder mit Bgm. Roman Haug (3.v.l.), Landrat Gebhard Kaiser (1.v.r.), Bergbahnen-GF Anton Haug (4.v.l.) und Beiratsvorsitzenden Martin Blanz (2.v.l.)

Die vereinigten Bergbahnen Hindelang Oberjoch GmbH. &a mp; Co.KG (D) haben mit der neuen 6 SBK Iselerbahn samt dazugehöriger Beschneiungsanlage ihr Wintersportgebiet wieder ein wichtiges Stück weiterentwickelt. Das Projekt hat darüberhinaus für den gesamten Liftkartenverbund „Allgäu Gletscher Card" Bedeutung.

Nach gut 4 Monaten (teils verregneter) Bauzeit wurde in Oberjoch eine hochmoderne, kuppelbare Doppelmayr 6er-Sesselbahn am 20. Dezember 2001 eingeweiht. Über die nach dem Iselergebiet benannte Iselerbahn war als Ersatz für den vorhandenen Schlepplift erstmals bereits 1988 laut nachgedacht worden. Das Ingenieurbüro Kaul hat sogar 1996 eine Planung für eine 4er-Sesselbahn ausgearbeitet. 5 Jahre später, nachdem der Privatisierungsprozess abgeschlossen und mit den Grundbesitzern endlich Einigung erzielt worden war, haben sich die Verantwortlichen gleich für die nächstgrößere Variante, also einen 6er-Sessel, entschieden. Denn laut Berechnung der Pistenbelastung durch den DSV-Beauftragten waren bis zu 3 900 Pers./h verträglich. Insgesamt stehen dem Gast 32 km Pisten offen.

Im Endausbau bringt es diese 6er-Sesselbahn auf eine Förderleistung von 3 000 Pers./h, zunächst begnügt man sich mit 240 Pers./h. Dafür gibt es Bubbles und komfortable rote Ledersitze von Anfang an. Technisch wäre auch der Einsatz von Gondeln im Sommerbetrieb möglich.

Elektronische Seillageüberwachung

Eine weitere Besonderheit dieser schmucken Bahn mit Abspannung und Brückenantrieb im Tal ist die Tatsache, dass sie die erste dieser Art mit präventiver, elektronischer RPD-Seillageüberwachung von Doppelmayr ist (RPD = Rope Position Detection). Dazu hat man 55 RPD-Schalter auf den Stützen montiert. Das weltweit einzigartige, der Kategorie 4 (EN-954-1) entsprechende selbstüberwachende System erkennt das Verlaufen des Seiles aus der Mitte der Seilrollen auf den Stützen. Zuerst wird die Bahn verlangsamt, um kinetische Energie aus dem System zu nehmen, und falls das Seil weiter verläuft, abgeschaltet, bevor eine Seilentgleisung stattfindet. „Derzeitige Seillageüberwachungssysteme können eine Seilentgleisung erst erkennen, wenn die Entgleisung schon stattgefunden hat. Das von Doppelmayr entwickelte System ist momentan weltweit konkurrenzlos und es wird vermutlich noch längere Zeit kein weiteres vergleichbares fehlersicheres System geben", sagte Elmar Fuchs von Doppelmayr zum Mountain Manager.

Neue Pistenflächen entstanden

Durch die Abtragung der alten Schleppanlagen Iseler- und Gundlift entstand ein großzügiger Freiraum mit mehreren präparierten Pisten, eine davon komplett beschneit und jede Menge Freeriding-Gelände für Skifahrer und Snowboarder. In Summe verfügen die Bergbahnen Hindelang-Oberjoch nun über 15 vollautomatische Lenko-ND-Schneemaschinen. Die bereits bestehende Beschneiungsanlage wurde um 3 km Leitungen und 20 Schächte erweitert. Dazu wurde in der Pumpstation Wiedhag eine geregelte Parallelpumpe mit 214 kW installiert sowie eine Druckerhöhungsstation im Container mit 174 kW-Pumpe errichtet. Beide Stationen sind via Lichtwellenleiter verbunden. Für die Elektrotechnik der Beschneiungsanlage hat sich die Gesellschaft wieder die Elektro Berchtold GmbH. gewünscht. Die Pettnauer waren dieses Mal auch für die Stromversorgung der Sesselbahn ab Trafostation (Niederspannungsfeld 950 Volt) verantwortlich.

Wie der Beiratsvorsitzende Martin Blanz und Geschäftsführer Anton Haug bei der Eröffnungsrede betonten, bringt die Iselerbahn eine wesentliche Verbesserung im Beförderungskomfort, der dem heutigen Trend voll entspricht. Damit soll auch die ganze Wintersportregion Allgäu aufgewertet werden, um den Anschluss im Kampf um den Gast nicht zu verlieren.       mak

Fotos: mak 

Die Elektro Berchtold GmbH. aus Pettnau war dieses Mal nicht nur für die Elektrotechnik der Beschneiungsanlage, sondern auch für  die Stromversorgung der 6er-Sesselbahn zuständig. Im Bild Ing. Peter Berchtold vor der Anspeisung.

Technische Daten 6-er Sesselbahn "Iseler"

  Hersteller   Doppelmayr
  Förderleistung   2400 P/h  (Endausbau 3000 P/h)
  Fahrzeit   4,81 min
  Antriebsstation   im Tal
  Spannstation hydraulisch   im Tal
  Horizontale Länge   1.376,4 m
  Schräge Lange   1.443,4 m
  Fahrtstrecke   1.463,5 m
  Höhenunterschied   398,8 m
  Fahrgeschwindigkeit   5,0 m/sek
  Reduzierte Geschwindigkeit mit Hilfsantrieb   1,0 m/sek
  Fahrbetriebsmittel   Stk. 70 (Endausbau Stk. 86)
  Abstand zwischen den Fahrbetriebsmitteln   45,0 m (Endausbau 36,0 m)
  Zeitfolge der Fahrbetriebsmittel   9,0 sek (Endausbau 7,20 sek)
  Durchmesser des Förderseiles   48 mm
  Gesamtanzahl der Stützen:   Anzahl 14 (davon 2 Doppelstützen)
  Antriebsleistung Betrieb/Anfahren erforderlich   563/ 752 kW
  Durchmesser Antriebs- und Umlenkscheibe   6,10 m

Einige Bilder vom Bau der Anlage


Montage der Talstation

Talstationsbereich mit fertiggestelltem Dachstuhl beim Funktionsgebäude

Talstation mit Liftantrieb und Bahnhof

Talstation: Antrieb geliefert und montiert

Talstation kurz vor der Fertigstellung

Bahnhof

Abspannsock en Berg vor dem Betonieren

Bergstation

Bergstation, im Hintergrund Strecke und Talstation

Bahntrasse mit Stützen