seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2020-11-06

Best Ski Resort: Wintersportler und die Herausforderungen im Wandel der Zeit

Im Rahmen der ‚Best Ski Resort-Awards’ wurden am 05.November die Ergebnisse der aktuellen ‚Best Ski Resort-Studie’ veröffentlicht. Corona-bedingt fand die Veranstaltung in diesem Jahr online statt. Zermatt durfte als Sieger der Kundenzufriedenheit in der Gesamtwertung virtuell das Treppchen zu oberst besteigen. Platz 2 belegte Gröden/Seiser Alm, gefolgt von Arosa/Lenzerheide und Kronplatz, die sich gleichauf den 3. Platz teilen. Der Aspekt Schneesicherheit verzeichnet bei der Wahl des Urlaubsortes den stärksten Bedeutungszuwachs. In dieser Kategorie überzeugt zum 4. Mal in Folge Saas Fee (1.Platz), gefolgt von Obertauern (2.) und Zermatt (Platz 3). Im Ländervergleich haben die Italienischen Skigebiete in den vergangenen Jahren stark zugelegt und werden von den Wintersportlern im Zufriedenheits-Ranking inzwischen mit dem 1.Platz geadelt.
 
Immer weniger Wintersportler wollen sich bei der Wahl ihres Urlaubsortes festlegen und testen gerne neue Skigebiete. Das war nicht immer so: Zu Beginn der Studienaufzeichnung vor 8 Jahren haben 28,5% der Wintergäste angegeben erstmalig vor Ort zu sein. Inzwischen sind es 34% und nur 20% davon wollen in naher Zukunft wiederkommen. Eine bessere Vergleichbarkeit der Angebote online, wesentlich kürzere Reaktionszeiten sowie der Klimawandel und damit einhergehend der vielerorts ausbleibende Schnee, verabschieden zunehmend den loyalen Stammgast. Für Skigebiete ist das eine große Herausforderung, eröffnet aber auch Chancen. Bei Familien lässt sich dieser Trend nicht erkennen. Gefällt es dem Nachwuchs, hält man gerne am Bewährten fest. 
 
Seit 2012 führt die Beratungsfirma Mountain Management Consulting, in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck, in 55 Top-Skiregionen im Alpenraum, Gäste-Befragungen durch – zu Entscheidungskriterien und zur Zufriedenheit in über 20 Kategorien. Die Befragung findet alle zwei Jahre und direkt in den Skigebieten statt. 225.000 Wintersportler wurden seither befragt. Das unmittelbare Feedback dient in erster Linie den Regionen zur Weiterentwicklung. Die Ergebnisse helfen aber auch Skifahrern bei der Wahl des individuell für sie am besten geeigneten Wintersport-Orts. 
 
Doch noch vor der Entscheidung „wohin“, werden wir uns in diesem, ach so seltsamen Jahr, nach dem „ob überhaupt und wenn ja, wie?“ erkundigen. Die Stimmung könnte gemischter nicht sein. Trotz steigender Corona-Zahlen hoffen viele Menschen auf ihren Winterurlaub. Die Skigebiete auf der anderen Seite tun ihr Möglichstes dafür, dass die Touristen nicht ausbleiben, sobald sie wieder öffnen dürfen: Man hat die Zeit der ruhigeren Corona-Monate im Frühsommer genutzt, Szenarien entwickelt und Maßnahmen geplant, die auf den Erfahrungen aus dem Sommer-Betrieb aufbauen. Nach dem plötzlichen Wegfall des Oster-Geschäfts hängt für viele Akteure alles an dieser Saison und das spürt man. Neben den gängigen Regeln wurde nach individuellen Lösungen zum Schutz der Gäste gesucht. „Mit erweiterten Außenterrassen, mehr Ausgabestellen und Pop-Up-Restaurants ist geplant die Kapazitäten der Restaurants deutlich zu erweitern“ berichtet Berno Stoffel, Direktor der Seilbahnen Schweiz. In Südtirol geben Apps Auskunft über die Besucherfrequenz an den Liftanlagen „um Warteschlangen und Menschenansammlungen noch effizienter zu vermeiden“, so Wolfgang Toechterle, Geschäftsführer der IDM Südtirol. Florian Phleps, Geschäftsführer Tirol Werbung kündigt zahlreiche Testmöglichkeiten und Screening-Straßen in den Skigebieten an. Kulante Regelungen im Bezug auf Storno der Bergbahntickets und Unterkünfte sollen auch im Winter gelten und für den Ernstfall wurden Corona-Task-Forces in den Skigebieten gebildet. Eines wird in diesem Jahr mit Sicherheit ausfallen: Das klassische Après-Ski. Doch auch hier werden aus dem Verbot sichere Alternativen entstehen – und sich einige Regionen als besonders kreativ hervortun.
 
Best Ski Resort – Trendanalyse
 
Viel hat sich seit Beginn der Datenerhebung verändert. Auch ohne Corona. Bei den Wintersportlern machen sich ein anspruchsvolleres Freizeitverhalten und die neuen Kommunikationswege bemerkbar. Wer viel gesehen hat, kann besser vergleichen. Die Gäste werden kritischer und geben primär Herausragendes oder negative Erfahrungen über die sozialen Netzwerke weiter. Die Prioritäten verschieben sich, neue Auswahlkriterien zur Wahl der Urlaubsregion rücken in den Fokus. Zwar rangiert die Größe des Skigebiets nach wie vor an erster Stelle (66,3%), doch ist dieses Kriterium, wie etwa auch die Pistenqualität (43,1%) und der Beförderungskomfort (27,3%), den Gästen weniger wichtig geworden – was auf das gewachsene Selbstverständnis in diesen Kategorien zurückzuführen ist. Der Wunsch nach Schneesicherheit  (57,1%) hingegen hat – zunehmend wärmere Winter lassen grüßen – sehr deutlich zugelegt (+7,7%).
 
Die Wintersportorte haben ihr Angebot massiv ausgebaut und dafür viel investiert. Zusammenschlüsse von Skigebieten, schnellere und mehr Beförderungskapazitäten, Ausbau der Beschneiung u.v.a.m. Auffällig ist, dass einige Regionen sich in besonderem Maße auf ausgewählte Zielgruppen konzentrieren – sich damit erfolgreich vom starken Wettbewerb differenzieren und für den Gast ein klares Markenprofil erkennbar ist: Serfauss-Fiss-Ladis bewerten Familien mit Kindern durchgehend am besten, Sulden steht seit 2012 für Preis/Leistung, Ischgl für Après Ski und Laax ist das Mekka für Fun & Snowboardparks. Sie alle gingen in der jeweiligen Kategorie als Sieger hervor – und das über alle 5 Befragungen der letzten 8 Jahre.
 
Bis 2018 lies sich eine stetige Steigerung der Gesamtzufriedenheit beobachten, die erstmals in der letzten Befragung leicht zurückgegangen ist. Ein Grund dafür ist der steigende Befüllungsgrad der schneesicheren Regionen. Ein Trend, der sich aufgrund des Klimawandels weiter verstärken wird. Das damit einhergehende, hohe Gästeaufkommen (der sog. „Overtourismus“), wird von 36,3% kritisch gesehen. Eine Steigerung von 10% gegenüber 2018! Die Regionen werden Wege finden müssen, die Gästezahlen auf einem ausbalancierten Niveau zu halten und Skifahrer im Gebiet besser zu verteilen.
 
Ein Ausreißer der Negativtendenz von 2018 zu 2020 ist Italien. Nur der Testsieger, im Ländervergleich über alle Kriterien in Sachen Gesamtzufriedenheit, weist einen leicht gestiegenen Wert auf. Und über die 8 Jahre hinweg den Rekordwert von +5,8%. Es folgen die Schweiz (+3,2%), Frankreich (+2,9%), Österreich (+1,8%) und Deutschland (+0,3%). Hier liegt die Schlussforderung nahe, dass Italien in besonderem Maße daran gearbeitet hat, auf die Wünsche der Gäste im Wandel der Zeit einzugehen.
 
Zermatt ist der große Gewinner der letzten 8 Jahre
 
Vieles bewegt sich, doch eines bleibt: die Zufriedenheit der Gäste ist für die Skigebiete das Maß aller Dinge. Ein Gefühl, das nicht zwangsläufig mit einem Wettstreit der Superlative zwischen den Destinationen einhergeht, sondern in erheblichem Maße von Eindrücken gelenkt wird. Und da scheint Zermatt alles richtig zu machen: mit dem höchsten Durchschnittswert über alle 5 Befragungen (8,43 Punkte; vor Serfauss-Fiss-Ladis 8,3 und Kronplatz 8,25) und ganz nebenbei auch der höchsten Weiterempfehlungsrate!
 
In der Beliebtheit am stärksten gesteigert hat sich Madonna di Campiglio (+8,8%) in den vergangenen 10 Jahren, gefolgt von Zermatt (+7,6%) und Les Arcs (+7,3%).
 
Best Ski Resort 2020 – Top 10

Die letzte Befragung von insgesamt 39.795 Gästen, wurde Ende Dezember 2019 gestartet und endete aufgrund der Schließung durch Covid-19 bereits am 15.März 2020. Platz 1 der Gesamtwertung der Kundenzufriedenheit 2020 belegte Zermatt (8,63), gefolgt von Gröden/Seiser Alm (8,36) und Arosa/Lenzerheide gleichauf mit Kronplatz (8,35) auf Platz 3. Auf den weiteren Plätzen folgen St. Moritz, Alta Badia und Saas Fee, Serfauss-Fiss-Ladis, Gurgl und Ischgl
 
Die Auswahlkriterien im Einzelnen bewertet
 
Perfekte Pistenverhältnisse 
Tendenziell abnehmend, aber mit 66,3% nach wie vor wichtigstes Entscheidungskriterium bei der Auswahl eines Wintersportortes, ist die Skigebietsgröße. Hier überzeugte wie schon im Vorjahr Alta Badia (130 Pistenkilometer/53 Liftanlagen) in Südtirol, bekannt nicht zuletzt durch die Anbindung zur Sella Ronda (500 PK/450 LA). Auf den folgenden Plätzen finden sich Zermatt (360 PK/56 LA), Laax (rund 230 PK/28 LA), Serfauss-Fiss-Ladis (214 PK/468 LA) und Tignes (300 PK/78 LA). Bis auf Tignes spiegelt sich hier die reale Größe des Gebiets in der gefühlten Zufriedenheit wider. Auch im Ländervergleich der Zufriedenheitswerte in dieser Kategorie hat Italien Frankreich abgelöst und konnte die mit Abstand größte Steigerung für sich verbuchen (+ 6,6%).
 
Zunehmend wichtig bei der Beurteilung ist die Schneesicherheit. Sie ist mit 57,1 % auf Platz 2 der Relevanz geklettert. Vor allem Familien machen deutlich: „Ohne Schneegarantie geht nichts!“ Die Rangfolge der Zufriedenheit in dieser Kategorie in 2020: Saas Fee (9,08 Pkt), Obertauern (8,99), Zermatt (8,97), Stubaier Gletscher (8,95) und St. Moritz (8,94). Die beste Pistenqualität wird nach Ansicht der Befragten allerdings in St. Moritz erreicht – vor Alta Badia, Zermatt, Kronplatz und Verbier. Im Ländervergleich hat Italien mit + 6,8% stark zugelegt und die Schweiz an der Spitze abgelöst. 
 
Weiterhin unangefochten an Platz 1 bleibt die Schweiz in der Kategorie Skischulen. Die Top-5 kommen alle samt aus der Schweiz und werden mit sehr hohen Zufriedenheitswerten belohnt. Zermatt (9,16), Laax (8,90), Adelboden-Lenk (8,81), Arosa-Lenzerheide (8,79), Aletsch Arena (8,75).
 
Österreich durfte sich unter anderem über die Erstplatzierung in der Kategorie Beförderungskomfort freuen: Ischgl wurde für seine hohen Investitionen in den Bereich Service-Qualität – speziell in die Beförderung – mit 8,99 von 10 Pkt belohnt.
Und auch in der Kategorie Wellness glänzt eine Destination aus Österreich ganz besonders: Bad Kleinkirchheim/St.Oswald in Kärnten ist die Wellness-Oase unter den Skigebieten im Alpenraum. 
 
In italienischen Skigebieten ist der Wunsch nach einem hochwertigen
gastronomischen Angebot am Berg (22,9 %) besonders ausgeprägt. Der Kronplatz in Südtirol 
darf dank höchster Zufriedenheitswerte in dieser Kategorie, die „Goldene Haube“ auch in diesem Jahr tragen. Neben dem Sterne Koch Norbert Niederkofler verwöhnen hier eine  Vielzahl leidenschaftlicher Hüttenwirte Wintergäste mit hervorragender, meist regionaler Kost.
 
Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Skigebiete sehen sich gezwungen ihre Investitionen in Schneesicherheit und Komfort durch Preissteigerungen auszugleichen. Für viele Gäste jedoch, scheint eine Grenze dessen erreicht, wie viel sie bereit sind in den Winterurlaub zu investieren. Besonders für Familien und die Befragten der Altersgruppen 12-19 und 20-34 ist das Preis-Leistungsverhältnis ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Urlaubsortes. Im Vergleich zu 2018 ist die Zufriedenheit in dieser Kategorie erneut gesunken (von 6,98 auf 6,93 Pkt). Schaut man sich diesen Wert genauer an, so stoßen hier die gestiegenen Ticketpreis besonders auf Kritik (nur 6,60 Pkt). Eine Entwicklung, die gerade in Bezug auf Familien gravierende Folgen für die Zukunft der Wintersportorte haben könnte: Wird für sie das Skifahren zu teuer, wächst hier eine Generation mit weniger Skifahrern heran. Das beste Gefühl in Sachen Preis-Leitung hatten zum 5. Mal in Folge die Gäste in Sulden am Ortler. Dahinter liegen in der aktuellsten Befragung Gurgl gleichauf mit den 3 Zinnen (Platz 2), gefolgt von Livigno und Obereggen.
 
Happy kids - happy holidays
Für Familien mit Kindern ist es von entscheidender Bedeutung: Strahlende Kinderaugen sind das Barometer für den Urlaub. Und hier gibt es augenscheinlich einen Ort, an dem sie besonders leuchten. Seit Beginn der Befragung steht Serfaus-Fiss-Ladis unangefochten an der Spitze! Kronplatz belegt im Zufriedenheitsranking der Familien 2020 Platz 2, Arosa Lenzerheide Platz 3, gefolgt von der Aletsch Arena (4. Platz) und Gröden/Seiser Alm (5).
Im Ländervergleich steht Italien ganz oben in der Gunst der Familien – und konnte auch in dieser Disziplin über alle Befragungen hinweg am stärksten zulegen (+9,9%)!
 
In Ruhe die Natur erleben
Aber nicht nur in Zahlen messbare Daten entscheiden darüber, wie unser Urlaub nachwirkt. Eine spektakuläre Umgebung beeinflusst diese Wahrnehmung entscheidend, wie auch der Erholungsgrad einer solchen Reise durch Ruhe, Gemütlichkeit und Authentizität. Faktoren, die ebenfalls im Rahmen der Studie abgefragt wurden und bei denen Italien im Ländervergleich der letzten 8 Jahre erneut ganz nach oben geklettert ist.
 
Für zunehmend mehr Menschen ist das Naturerlebnis ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Urlaubsortes, bei dem vermutlich das Matterhorn im Wallis Zermatt auf den 1. Platz verholfen hat und die Dolomiten Alta Badia auf den 2. Dahinter folgen die Aletsch Arena – am imposantesten Gletscher der Alpen, Gröden/Seiser Alm und Arosa/Lenzerheide.
Und scheinbar wirkt sich das Naturerlebnis auch unmittelbar auf die empfundene Gemütlichkeit aus, denn auch hier liegt Zermatt auf Platz 1, flankiert von den anderen Top-Platzierten dieser Kategorie: Sulden, Aletsch Arena, Gröden/Seiser Alm, Arosa Lenzerheide. 
 
Ebenfalls zunehmend wichtig ist der Grad an Ruhe und Erholung, den sich die Wintergäste von Ihrer Reise versprechen. Ein Faktor, der vielleicht in diesem Jahr mit Corona und seinen neuen Einschränkungen noch einmal mehr an Bedeutung gewinnen wird. Ein Ort, an dem sich keine Massen drängen und wo man besonders gut seine Batterien aufladen kann, scheint die Aletsch Arena zu sein. Wie schon in der letzten Befragung landet die autofreie Walliser Region auf Platz 1. In diesem Jahr gefolgt von Gröden/Seiser Alm, Zermatt, gleichauf St. Moritz und Gurgl und die 3 Zinnen.
 
Best Ski Resort: Hintergrund und Methodik
 
Seit Winter 2012 wurden im Rahmen des Best Ski Resort-Reports rund 225.000 Skifahrer und Snowboarder direkt im Skigebiet befragt. Die Befragung erfolgt randomisiert mittels eines begleiteten Ausfüllens der Fragebögen. Die vorgegebenen Kategorien können mittels einer Punkteskala von 1 – 10 bewertet werden. 
Auswahlkriterien für die Teilnahme der Regionen an der Studie sind Bekanntheitsgrad und Größe des Skigebiets, regionale Bedeutung und Anzahl der Nächtigungen. Die Gesamtzahl von 55 Skiresorts bleibt bestehen.
Für die aktuellen Studie wurden 39.795 Wintersportler/innen im Winter 2019/2020 befragt.

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