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seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2017-10-02

Deutsche Seilbahntagung in Berlin

Winter und Sommer zeigen ihr Potential

Seilbahnen ziehen eine positive Bilanz und investieren kräftig in die neue Saison Am 28. September 2017 waren Gäste aus dem In- und Ausland sowie Vertreter der Industrie zur Jahrestagung des Verbands Deutscher Seilbahnen auf der IGA in Berlin eingeladen. Das touristische Angebot einer internationalen Gartenausstellung mit seinen verschiedenen Attraktionen zeigt zahlreiche Parallelen zum Betrieb eines modernen Seilbahnunternehmens. Wetterabhängigkeit, Gästeleitsysteme, Gästebetreuung und Inszenierung von Erlebnissen sind nur einige Stichpunkte, über die sich die Branchenvertreter informieren und diskutieren wollen.

Ein erfolgreiches Jahr mit wachsenden Besucherzahlen im gesamten Jahreslauf liegt hinter der Seilbahn-Branche, die Investitionen der letzten Jahre haben die Attraktivität und den Komfort der Anlagen noch gesteigert. Neben dem Wintersport ziehen die Sommeranlagen auf Augenhöhe mit und präsentieren sich als leistungsstarke Besuchermagnete. Auf diesem erfolgreichen Weg gehen die deutschen Seilbahnen weiter Richtung Zukunft und starten mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 70 Mio. Euro in den kommenden Winter. „Der Trend zum Bergerlebnis hält ungebrochen an, zu jeder Jahreszeit. In den Wachstumsbranchen Sport, Erholung und Gesundheit haben die Seilbahnen einen hohen Stellenwert“, resümiert Peter Schöttl, der Präsident des Verbandes Deutscher Seilbahnen.

Neue Wege geht man am Jenner: Zum einen wird die seit 1953 bestehende Jenner-Seilbahn von einer neuen 2 Sektionen 10er Kabinenbahn abgelöst, zum anderen weichen die bisherigen Sessellifte zwei 6er Sesselbahnen, eine Investition von rund 48 Mio. Euro. Die Bauphase erstreckt sich über das ganze Jahr, erst im Frühjahr 2018 wird der Betrieb wieder aufgenommen. Dennoch lohnt sich die Durststrecke für die Gäste, es wird eine „hundertprozentige Barrierefreiheit für Menschen mit Mobilitätseinschränkung“ erlangt, die großräumigen Zehnergondeln erlauben mit Rollator, Rollstuhl, aber auch Kinderwagen eine angenehme Fahrt. Highlight wird ein barrierefreier Weg bis zu einer Aussichtsplattform mit Blick auf den Königssee sein. Eine wesentliche Qualitätsverbesserung bedeutet auch die 20prozentige Erhöhung der Transportkapazität, die oftmals langen Wartezeiten gehören damit der Vergangenheit an. Ein gelungenes Beispiel für das Zusammenspiel Winter/Sommer ist am Sudelfeld die mehr als 8 Mio. Euro hohe Investition in die künftige 8er-Sesselbahn, die die beiden Doppelschlepplifte ersetzen und ganzjährig nutzbar sein wird. Von Grafenberg aus wird sie direkt auf den 1.436 m hohen Gipfel am Sudelfeldkopf führen, mit sechs Metern pro Sekunde eine der schnellsten Sesselbahnen Deutschlands, technisch auf dem neuesten Stand und einem Paket voller Komfort für die Fahrgäste, wie z.B. Sitzheizung, Wetterschutzhauben und automatisch verriegelnde Schließbügel. Man geht hier einen weiteren entscheidenden Schritt im Rahmen der Modernisierung des Wintersportareals und der Urlaubsregion zwischen Bayrischzell und Oberaudorf.

Auf der Zugspitze bahnt sich unterdessen der Beginn einer neuen Ära an, mit der Jungfernfahrt am 21. Dezember 2017 erschließt die topmoderne Seilbahn Zugspitze den höchsten Berg des Landes mit maximalem Komfort für die Fahrgäste. Insgesamt sechs Jahre Planung und Bauarbeiten, teils unter widrigsten Bedingungen auf 3.000 m, stecken in diesem Projekt der Superlative: Zwei bodentief verglaste Großraumkabinen passieren die mit 127 Metern weltweit höchste Stahlbaustütze für Pendelbahnen, überwinden den weltweit größten Gesamthöhenunterschied von 1.945 Metern in einer Sektion sowie das weltweit längste freie Spannfeld mit 3.213 Metern. Die integrierte Scheibenheizung ermöglicht selbst bei schlechtem Wetter ungetrübte Sicht und bei klarem Himmel reicht der Blick sogar bis weit über München hinaus.

Zahlreiche weitere Bergbahnen setzen mit hohen Investitionen in Barrierefreiheit, Komfort und Sicherheit auf die Zukunft. Kinder können sich am Ettelsberg in Willingen über einen Tellerlift und ein erweitertes Förderband freuen, die Skilifte Rossfeld begeistern Familien mit neuem Kinderlift und lustigem Kinder-Funpark, ein Kinderspielplatz bei der Mittag-Schwebebahn oder die neuen Downhill Carts und der Klettergarten am Mehliskopf ergänzen das breitgefächerte Neuheitenangebot.

Die deutschen Seilbahnen unternehmen auch in diesem Jahr große Anstrengungen, sich als familienfreundliche Urlaubs- und Naherholungsgebiete zu positionieren. Sowohl Winter als auch Sommer in den Bergen bieten gesunden, erlebnisreichen Ferienspaß für Jung und Alt, dabei schonen kurze Anfahrtswege die Ressourcen und entlasten durch mautfreie Anreise die Familienkasse.

Mit dem Verlauf des vergangenen Jahres zeigen sich die Seilbahnen sehr zufrieden. Die Wintersaison 2016/17 startete zwar spät, doch konnte aufgrund der kalten Witterung sehr gut beschneit werden. Ab Januar präsentierte sich die Saison mit üppigem Schneefall und Sonne als Wintermärchen. Insgesamt konnten die Gästezahlen mit 4,9 Mio. Ersteintritten im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 % gesteigert werden. Deutlich zeigt sich in der Saisonbilanz 2017 der starke Trend zu den Bergsommer-Aktivitäten, in den Monaten Mai bis August konnte ein Gästezuwachs im Vorjahresvergleich von 13,1 % verzeichnet werden. Jetzt hofft man auf einen goldenen Herbst mit mildem Wanderwetter, der das Gesamtergebnis noch abrunden würde.

Wechsel im Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen

Matthias Stauch wurde einstimmig zum neuen 2. Stellvertretenden Vorstand des Verbandes gewählt. Er löst Hannes Rechenauer ab, der diese Position seit 2009 innehatte. Der 56-jährige Betriebswirt Matthias Stauch ist hauptberuflich kaufmännischer Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen. Präsident im Seilbahnverband ist weiterhin Peter Schöttl, Vorstand der Nebelhornbahn Oberstdorf und zudem Mitglied der Geschäftsführung der Wendelsteinbahn Brannenburg, sein 1. Stellvertreter bleibt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck Bergbahn Lenggries, der Wallbergbahn Rottach-Egern und der Alpenbahnen Spitzingsee Schliersee/Rottach-Egern. Matthias Stauch kündigte an, dass er als neues Mitglied im Vorstand mit dem VDS als starker Partner die Seilbahnen Richtung Zukunft begleiten möchte, „die Kombination aus solider Basis und Innovationskraft bei den Seilbahnen ist eine großartige Arbeitsgrundlage.“

Peter Schöttl und Peter Lorenz freuen sich auf eine produktive Zusammenarbeit mit ihrem neuen Vorstandskollegen. Ihnen liegt besonders die Nachwuchsförderung am Herzen. „Hier müsse man wie bisher weiter gezielt an Angeboten für Familien, Kindern und Jugendlichen arbeiten, auch unter Einbindung von Schulen“, findet Schöttl. Peter Lorenz will dabei auch das große Potential des Sommers nutzen: „Der Sommer ist sehr attraktiv für diese Zielgruppe, dies gilt es zu vermitteln“, betont er.











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