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seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2019-06-17

Skifahren im Mai: Geht‘s noch?

von Markus Redl, NÖ-BBG
 
Nach wochenlanger Sperre im stürmischen Jänner war das Hochkar Mitte Mai noch einmal in aller Munde: Gleich 6.000 fröhliche Gäste verabschiedeten an einem – ob der immer noch guten Schneelage spontan organisierten – Gratis-Wochenende die heurige Wintersaison. Skifahren bis Anfang Mai gehörte einst am Hochkar auf 1.380 bis 1.808 Meter Seehöhe zum guten Ton. Jetzt ist auch schon einmal ein Monat früher Schluss. Offensichtlich gibt es ja eine Nachfrage, warum also nicht die guten Bedingungen im Frühjahr nutzen?
Die von MANOVA seit vielen Jahren für den Fachverband der Seilbahnen erhobenen Zahlen belegen, dass der März im Durchschnitt der fünf Winter 2014/2015 bis 2018/2019 für 12,1 Millionen Skier Days gut war, das entspricht 22,87 % der in den jeweiligen Winterhalbjahren in den österreichischen Skigebieten gezählten Ersteintritte. Im April hingegen sind es nur noch 3,0 Mio. bzw. 5,65 %, obwohl im Betrachtungszeitraum 29 von 50 Osterferientage in diesen Monat fielen.
 
Die praktische Erfahrung und auch die Daten zeigen, dass im Herbst bzw. zu Winterbeginn mehr mediale Aufmerksamkeit herrscht und auch ein höheres Publikumsinteresse als zu Frühlingsbeginn besteht. Sobald jedoch in niederen Lagen auch andere Outdoor-Aktivitäten attraktiv werden, tun sich selbst hoch gelegene Skigebiete schwer, Frühlings- oder Sonnenskilauf erfolgreich zu vermarkten: dies trotz aller musikalischer oder kulinarischer Darbietungen (z.B. Tanzcafé Arlberg) und oft auch bei perfekten äußeren Bedingungen.
Sehr auffällig ist, dass die Gesamtzahl der Skier Days in den letzten Jahren stabil ist, es aber durchaus zu Auslastungsschwankungen innerhalb der Monate kommt. Die dahinterliegende Grundhypothese lautet, dass die Gäste zwar bis zu einem gewissen Grad flexibel auf äußere Bedingungen reagieren, aber ihr Bedürfnis, eine bestimmte Anzahl von Tagen pro Wintersaison Ski zu fahren, recht konstant ist.
 
Frühlingsskilauf ist und bleibt daher etwas für ausgewählte Skigebiete, die jedoch noch stärker auf bestimmte Zielgruppen setzen könnten: beispielsweise die nicht an bestimmte Urlaubszeiten gebundenen Pensionistinnen und Pensionisten (die angesichts der demographischen Entwicklung ohnehin von höchster strategischer Bedeutung sind) sowie Familien mit nicht schulpflichtigen Kindern. Im Idealfall fahren diese Gäste dann wieder Ski – oder verbringen jedenfalls mehr Tage auf Ski als sie es bisher ohnehin während einer Wintersaison tun.



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