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seilbahn.net | Themenbereiche | Tourismus | 2017-02-13

ISPO: „Der Weltuntergang im Wintersport fällt aus“

Zeichen in der Industrie stehen auf Zusammenarbeit und Investitionen

In Zeiten des Klimawandels stehen die Zeichen in der Wintersport-Industrie immer mehr auf Zusammenarbeit. Bestes Beispiel dafür ist die von den beiden Marktführern Fischer und Rossignol gemeinsam entwickelte Langlauf-Skibindung, die mit dem ISPO GOLD AWARD ausgezeichnet wurde. Statt Pessimismus zu verbreiten, glaubt die Branche an ihre Zukunft.

150 Millionen Euro hat das Skiareal Silvretta Montafon in den letzten zehn Jahren investiert. In den kommenden fünf Jahren sollen es noch einmal über 100 Millionen Euro sein. Das mag in Zeiten des Klimwandels mit einem mittelfristig prognostizierten Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur um zwei Grad für manche verrückt klingen. Doch für Peter Marko, Geschäftsführer der Silvretta Montafon GmbH, macht es wirtschaftlich absolut Sinn: „Natürlich will jeder Unternehmer einen Return of Investment. Dass wir so viel Geld in die Hand nehmen, ist ein Ausdruck von Optimismus. Der von vielen prognostizierte Weltuntergang im Wintersport fällt aus.“

180 Millionen Euro mehr Umsatz an Österreichs Skiliften

Marko untermauert das mit konkreten Zahlen der österreichischen Seilbahnbetreiber aus den letzten Jahren. 1996 wurden 323 Millionen Euro investiert, zwei Jahrzehnte später waren es im Jahr 2016 schon 710 Millionen Euro. Auch die Umsätze an den Liften sind in Österreich in den vergangenen fünf Wintern um 180 Millionen Euro auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro gestiegen.

Das hängt natürlich vor allem mit gewachsenen Preisen für Lifttickets zusammen, mit denen die immensen Investitionen in die Verbindung von einzelnen Skigebiete zu größeren Einheiten und Beschneiungslagen wieder hereingeholt werden. Die immer höher werdenden Preise sind freilich nicht nur für viele Familien ein Problem, wie überhaupt die Lage in der Wintersport-Industrie trotz allen Zukunftsoptimismus keinerlei Anlass zur Euphorie gibt.

Intersport: „Wintersport-Bereich ein ganz wichtiges Segment“

Der größte Sporthändler-Verbund Intersport hat 2016 zum Beispiel wegen der warmen Witterung fünf Prozent Umsatz im Wintersport-Bereich eingebüßt. Im Januar 2017 – dem im Alpenbereich kältesten seit 30 Jahren – stand dann freilich ein Umsatzplus von stolzen sieben Prozent zu Buche. „Das zeigt, dass der Wintersport-Bereich weiter ein ganz wichtiges Segment für uns ist, dass zwischen 30 und 40 Prozent des Umsatzes von uns ausmacht“, sagt Intersport-Vorstand Jochen Schnell. Auch für die ISPO MUNICH ist die Wintersport-Industrie nicht nur aus historischen Gründen eines der wichtigsten Felder.

Konkurrenten in der Skiindustrie arbeiten zusammen

Die Stände einiger Skifirmen sind freilich in den letzten Jahren etwas bescheidener geworden, weil die Marketing-Budgets längst nicht mehr so hoch wie früher sind. Und plötzlich werden auch Koalitionen möglich, die lange als undenkbar galten.

So begann die österreichische Skifirma Fischer 2010 erst allein eine eigene Langlauf-Skibindung zu entwickeln. 2012 kam der französische Konkurrent Rossignol mit ins gemeinsame Boot und 2017 wurde das neue Produkt „Turnamic“ auf der ISPO MUNICH vorgestellt und preisgekrönt. „So eine Zusammenarbeit habe ich in der Skibranche noch nicht erlebt“, sagt Marketingfrau Tanja Winterhalder von Fischer: „Aber wir müssen in der Branche nach Synergien suchen und auch mal neue Wege gehen. Unsere Kernkompetenz wird trotzdem auch in Zukunft der Bereich Ski bleiben.“

Attraktive Ski-Angebote für Familien

Es ist durch die warmen Winter einiges in Bewegung geraten in der Wintersport-Branche. Sei es im Langlauf-Bereich, wo zum Beispiel der österreichische Touristenort Seefeld erstmals eine für 15 Euro nutzbare Kunstschnee-Loipe anbot. Oder sei es bei den Alpinen, wo es im boomenden Rental-Bereich attraktive Angebote gibt oder auch Familien mit Gratis-Skikursen für ihre Kinder wie in der Silberregion Karwendel in die Berge gelockt werden. Faktoren wie eine ausreichende Höhenlage über 1000 Meter werden freilich durch den Klimawandel künftig immer wichtiger werden.

„Nur der Wintersport löst bei Menschen diesen Flow aus“

Peter Marko ist trotzdem nicht bange um die Wintersport-Industrie: „Man braucht sich nur die strahlenden Augen bei den Kindern anzuschauen, wenn sie mit drei zum ersten Mal einen kleinen Hang herunterrutschen. Oder die Glücksgefühle, von denen mein Sohn erzählt, wenn er im Europacup mit 130 Stundenkilometern die Streif herunterrast. Nur der Wintersport löst bei Menschen diesen Flow aus. Und deshalb hat die Industrie auch eine Zukunft.“  

Ein Beitrag von Lars Becker, Autor

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