Salzburgs Wohlstand resultiert nicht zuletzt aus einem florierenden Wintertourismus, der zahlende Gäste selbst in entlegenste Täler bringt.
Quelle: Die Grünen Salzburg
Durch die globale Erwärmung wird diese Branche – und damit ein wichtiger wirtschaftlicher Lebensnerv – gehörig ins Schwitzen kommen. Eine von Salzburgs GRÜNEN in Auftrag gegebene Studie über die "Klimasensibilität des Salzburger Wintertourismus" kommt unter anderem zum Ergebnis: Die Erwärmung findet bereits statt, der Anpassungsdruck auf den Tourismus wird beträchtlich steigen. "Es handelt sich nicht um ein langfristiges, sondern für Salzburg um ein mittelfristiges Problem", heißt es in der Studie, die den Tourismus in Sachen "Klimawandel" sowohl als Opfer wie auch Täter sieht.
Mit knapp 14 Millionen Nächtigungen ist der Wintertourismus ein wesentliches Standbein des Wirtschaftsstandortes Salzburg. Ein Zehntel des Salzburger Bruttoregionalprodukts (2007: insgesamt 17,4 Milliarden Euro) wird durch den Wintertourismus erwirtschaftet. Die Einkommen durch Übernachtungsgäste betrugen im Winter 2006/07 etwas mehr als 1,5 Milliarden Euro, Tagesgäste und lokale Saisonkartengäste bringen weiteres gutes Geld. Von den Winternächtigungen in Österreich fallen 22,5 Prozent auf das Bundesland Salzburg, das damit hinter Tirol mit mehr als 40 Prozent als stärkstes Wintertourismusland Österreichs gilt.
Kein Wunder, dass Tourismus-Verantwortliche das Wort "Klimawandel" nur ungern in den Mund nehmen. Mitte der 90er Jahre erstellte DI Dr. Meinhard Breiling (Koordinator des Kooperationszentrums "Technik.Tourismus.Landschaft" der Technischen Universität Wien) für das Wirtschaftsministerium eine Untersuchung zum Thema "Klimawandel und Wintertourismus" und kam zum Ergebnis: "Adaptionsmaßnahmen könnten den Erwärmungstrend bis ca. 2020 abpuffern. Danach wird die Anpassung immer schwieriger." Die Studie verschwand damals in den Schreibtischen des Ministeriums, die erste öffentliche Präsentation erfolgte erst mehr als zehn Jahre später, im Jänner 2007, durch Salzburgs GRÜNE!
Zeitgleich mit der Präsentation gaben DIE GRÜNEN bei Breiling eine Aktualisierung und zugleich Konkretisierung der Arbeit für das Bundesland Salzburg in Auftrag: "Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die globale Erwärmung haben in den vergangenen Jahren deutlich an Dramatik zugelegt, wir hielten es für dringend notwendig, anhand aktualisierter und regionalisierter Daten genauer hinzuschauen, was da auf uns zukommt", erklärt Labg. Heidi Reiter, Umweltsprecherin der GRÜNEN im Salzburger Landtag.
In seiner aktuellen Arbeit verschränkt der Wissenschaftler, der an zahlreichen internationalen Klimaforschungs-Projekten mitarbeitet, die Klimadaten der verschiedenen Salzburger Messstellen mit den Prognosen des IPCC (UNO-Klimabeirat). Dabei legt er seinen Berechnungen über die Schneemengen und Saisonlängen der Zukunft jenes IPCC-Szenario zugrunde, das von "nur" zwei Grad Erwärmung bis Mitte dieses Jahrhunderts ausgeht. (Kleine Anmerkung: Es ist auch möglich, dass es zu einer deutlich höheren Erwärmung kommt).
In Conclusio: Der Salzburger Wintertourismus kann langfristig nur dann durch Anpassung gerettet werden, wenn es parallel gelingt, den CO2-Ausstoß in den nächsten zehn, 15 Jahren radikal und global zu senken!
Die wesentlichen Ergebnisse aus dem Gutachten:
- Selbst wenn wir „nur“ den linearen Trend annehmen, stellen wir fest, dass eine Erwärmung um 2 Grad Celsius in Salzburg wesentlich früher erreicht wird als vom IPCC global angenommen wird. Oder anders ausgedrückt: eine globale Erwärmung von 2 Grad Celsius (respektive vier Grad Celsius) kann in Bezug auf Salzburg wesentlich stärker ausfallen.
- Die gewohnte Situation von 1100m werden wir bei zwei Grad Erwärmung in 1600m finden.
- Der Aufwand für die Schneeproduktion ist stark gestiegen und wird weiter steigen. Geht die Entwicklung in den hier prognostizierten Bahnen, wird man noch einige Zeit anpassen können, der Preis der Anpassung wird aber höher werden.
- Schnee wird immer seltener von alleine fallen, sondern als Kunstschnee gemacht, mit stetig höherem Aufwand für die Betreiber. Die gerade Schwächsten werden aus dem Wintertourismus verdrängt. Im Idealfall kann sich ein Betrieb auf Nischen spezialisieren.
- Es muss mit zum Teil deutlichen Saisonverkürzungen gerechnet werden, wobei die Tourismusorte unterschiedlich stark betroffen sein werden. Und: Vergleicht man die Saisonlänge mit der Interpolation der Temperatur, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieses Szenario in Salzburg bereits in 20 Jahren erreicht wird. Es handelt sich nicht um ein langfristiges, sondern für Salzburg um ein mittelfristiges Problem.
- Der Salzburger Wintertourismus ist gleichzeitig Opfer und Promotor der Klimaänderung. Opfer deshalb, weil durch die Erwärmung große Kosten der Anpassung an ein wärmeres Klima entstehen bei gleichzeitigen Einnahmeverlusten. Promoter wegen der Rolle als Emittent von zusätzlichen Treibhausgasen durch Anpassung an eine wärmere Umwelt. Eine weitere Anpassung scheint umweltpolitisch nur unter Beibehaltung bzw. Senkung des derzeitigen Niveaus an CO2 Emissionen vertretbar.
- Die Beschneiungstechnik ist verbesserungsbedürftig und kann in vielfacher Weise optimiert werden. Notwendige Ökobilanzen, die ein solches Vorgehen überprüfbar machen, sind noch ausständig.
Geht es nach Labg. Reiter, dann darf diese Untersuchung nicht das gleiche Schicksal erleiden wie ihre Vorgängerin im Wirtschaftsministerium: "Jetzt ist Hinschauen und Handeln gefragt, mit der Methode Schublade-auf/Studie-rein kommen wir gegen den Klimawandel nicht an." Immer wieder werde versucht, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wintertourismus kleinzureden oder zu negieren, damit müsse endlich Schluss sein: "Sich zu verstecken hilft uns nicht weiter, wir müssen uns der Herausforderung stellen", betont Reiter.
Für Salzburgs GRÜNE ergeben sich aus der aktuellen Klima-Studie eine ganze Reihe von Forderungen. Die wichtigsten:
- Regionale Öko-Bilanzen müssen her! "Es kann nicht sein, dass die Landeshauptfrau von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern verlangt, diese sollen sich ihren ökologischen Fußabdruck anschauen, und im eigenen Wirkungsbereich will es die Landesregierung nicht so genau wissen", kritisiert Reiter. Es sei höchst an der Zeit, den "ökologischen Fußabdruck" zum Beispiel von Lift- und Beschneiungsanlagen unter die Lupe zu nehmen, um zielorientiert an die dringend notwendige CO2-Reduktion herangehen zu können.
- Weitere Ausbauschritte nur, wenn sie CO2-neutral sind! Der Energieaufwand für Beschneiungsanlagen muss CO2-neutral sein, also aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden. Ob die Betreiber dafür zu Ökostrom-Lieferanten wechseln, Photovoltaik- und Windanlagen installieren oder – wie nun in Rauris – die Wasserkraft ihres Schneekanonen-Speichersees nutzen, soll ihnen überlassen bleiben.
- "CO2-Sanierung" bestehender Anlagen. Wenn der Tourismus die ohnehin brisante Entwicklung des Klimas nicht weiter anheizen will, dann müssen auch in dieser Sparte die "CO2-Altlasten" saniert werden. Im Klartext: Der Energiebedarf auch bestehender Anlagen muss sukzessive aus Erneuerbaren abgedeckt werden.
Die Umweltsprecherin warnt eindringlich davor, sich mit weiteren Adaptionen zu begnügen: "Damit, einfach mehr Schneekanonen in die Landschaft zu stellen, ist der Erwärmung nicht beizukommen. Auch die Flucht in höhere Regionen ist kein Patentrezept, schon allein deshalb, weil wir den Raum dazu nicht haben. Die nutzbaren Flächen in 2.000 Metern Seehöhe sind beschränkt", gibt Reiter zu bedenken.
Langfristig müsse der Tourismus noch intensiver an einer Diversifikation des Urlaubsangebots arbeiten. Damit ist nicht nur eine stärkere Orientierung hin zum Ganzjahres-Tourismus gefordert, für Reiter geht es auch darum, der einheimischen Bevölkerung Alternativen zu bieten: "Durch die teuren Anpassungsmaßnahmen wird Skifahren ja immer mehr zu einem Sport- und Urlaubsvergnügen für die finanziell besser Gestellten. Von der Breite, die dieser Wintersport einmal hatte, sind wir ja schon deshalb weit weg, weil sich immer weniger Salzburger und Salzburgerinnen das teuer gewordene Skivergnügen leisten können. Aber was bedeutet diese Entwicklung für die Erholung suchende Bevölkerung? Für ihre Freizeit? Gibt's in Zukunft nur noch teure aufwändige Ski-Festspiele für einige Betuchte? Welches Angebot werden die Salzburgerinnen und Salzburger im Winter vorfinden?" Auch hier werde die Politik gefordert sein.
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