Markus Redl: Skifahren, Preise und Populismus - Ein FaktencheckDie jüngste Berichterstattung des ORF Vorarlberg zum Dynamic Pricing von fünf Skigebieten im Montafon und Brandnertal hinterlässt einen faden Beigeschmack. Es scheint fast, als fehle im öffentlich-rechtlichen Diskurs das Verständnis dafür, dass eine moderne Preispolitik sowohl den Unternehmen als auch den Konsumenten zugutekommen kann. Dass der Boulevard die Steilvorlage dankend aufgreift, überrascht kaum. Aber bei der Berichterstattung über eine Milliardenbranche mit volkswirtschaftlicher Bedeutung – wie es die Seilbahnwirtschaft in Österreich ist – braucht es Tiefgang statt populistischer Untertöne. Es ist Zeit für eine Versachlichung der Debatte. Wir sind aber natürlich auch in der Branchenkommunikation gefordert, Klartext zu sprechen. Hier am TP-Blog hat Ihr Autor das mit Beiträgen wie Dynamic Pricing bei Skigebieten (1. März 2025) und Dynamic Pricing bei Skigebieten: Ausblick 2025/2026 (31. August 2025) bereits versucht. Wir praktizieren in Niederösterreich bei der ecoplus Alpin GmbH (z. B. Hochkar Bergbahnen) die vierte Wintersaison nachfrageorientierte Preise und nutzen dafür – wie die Kollegen in Vorarlberg – die Technologie von Pricenow. Vorausschicken sollten wir, dass die Ausgaben in Österreich für Erwachsene 2022/2023 laut MANOVA bei durchschnittlich 263,80 Euro pro Ersteintritt (Skitag) lagen, Anteil der Liftkarte dabei: 16,7 Prozent. Derzeit läuft eine aktuelle Wertschöpfungsstudie, aber diese Relation wird sich wohl nicht großartig geändert haben. Drei Fakten kommen in der aktuellen Debatte zu kurz: 1. Profitabilität sichert die Ganzjahres-Infrastruktur Seilbahnunternehmen müssen trotz massiv gestiegener Energie- und Personalkosten margenorientiert arbeiten. Nur so sind Reinvestitionen möglich — nicht nur in den Skibetrieb, sondern in ganzjährig attraktive Bergerlebnisse. Gewinne fließen oft direkt zurück in die Region, um notwendige Verbesserungen in Beherbergung und Gastronomie zu finanzieren, was den gesamten Tourismusstandort stärkt. 2. Österreichs Premiumsegment ist international „unterpreist“ Der Vergleich mit der Fixpreis-Tageskarte von Ski Arlberg (81,50 Euro) provoziert eine Gegenfrage: Ist dieser Preis für eine Weltklasse-Leistung mit 300 Pistenkilometern und 85 Anlagen im internationalen Vergleich nicht eigentlich zu niedrig? Die Preisentwicklung bei Silvretta Montafon (140 Pistenkilometer, 35 Bahnen) zeigt: Durch Dynamisierung liegt der Preis in Spitzenzeiten zwar über, in der Nebensaison jedoch oft unter dem Fixpreis der Konkurrenz. Fakt ist: Die Preissensibilität der Zielgruppe in Top-Resorts ist gering, während der Investitionsbedarf für moderne Beschneiung und Komfort stetig steigt. 3. Datenbasierte Loyalität statt anonymer Ticketkauf Während wir in Europa oft noch über Frühbucherrabatte diskutieren, zeigen internationale Größen wie Vail Resorts, wohin die Reise geht. Dort sind bereits 75 % der Gäste „pre-committed“, also durch Saisonkarten wie den Epic Pass vorab gebunden. Dynamic Pricing dient bei uns vor allem dazu, Gäste zur Online-Buchung zu bewegen. Nur so generieren wir DSGVO-konforme Kundendaten, die ein echtes Kundenbeziehungsmanagement (CRM) erst ermöglichen. Ob der Anreiz dafür linear oder dynamisch gesetzt wird, ist letztlich zweitrangig – entscheidend ist die digitale Transformation des Vertriebs. Fazit: Mut zur Marktlogik Dynamic Pricing ist kein Instrument zur kurzfristigen Gewinnmaximierung, sondern ein notwendiger Schritt in der Professionalisierung des alpinen Tourismus. Wer die Transformation der Seilbahnwirtschaft nur durch die Brille des „teuren Skitags“ betrachtet, verkennt die ökonomische Realität: Wir müssen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben – und wir müssen unsere Gäste kennen, um sie langfristig zu binden. Es ist an der Zeit, dass die mediale Berichterstattung den Mut aufbringt, diese Zusammenhänge ganzheitlich zu erklären, anstatt neue Formen der Produkt- und Preispolitik zum Sündenbock für allgemeine Teuerungen zu machen. |






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