seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2026-02-26

Garaventa: Die Wichtigkeit von Seilen im Seilbahnbetrieb

Anfang Januar hatte Garaventa einen umfassenden Serviceauftrag an der Seilbahn Koblenz gestartet. Die Arbeiten umfassten die planmässige Verschiebung der Tragseile beider Fahrbahnen sowie den erstmaligen Austausch des Zugseils. Zum Einsatz kam dabei eine neu entwickelte Seilwinde.

Die Seilbahn Koblenz ist Deutschlands erste 3S-Bahn der Doppelmayr Gruppe und wurde als Attraktion und umweltfreundliche Verkehrsverbindung für die Bundesgartenschau 2011 realisiert. Seit Juni 2010 verbindet sie die Rheinanlagen bei der Basilika St. Kastor mit dem Plateau vor der Festung Ehrenbreitstein. Die Anlage verfügt über 16 Kabinen und erreicht eine Förderleistung von bis zu 3’800 Personen pro Stunde und Richtung. Ursprünglich war geplant, die Seilbahn Ende 2013 wieder abzubauen. Aufgrund ihrer hohen Beliebtheit blieb sie jedoch bestehen. Die Betriebserlaubnis wurde in Etappen verlängert und läuft aktuell bis 2030. Die Verantwortlichen rechnen mit einer weiteren Verlängerung. 

Damit der Betrieb dieser Seilbahn Tag für Tag zuverlässig funktioniert, sind die Seile besonders gefordert. Während die Tragseile mit einem Durchmesser von 54 Millimetern das Gewicht der Kabinen tragen und die nötige Stabilität gewährleisten, bewegt das 42 Millimeter starke Zugseil die Kabinen in einem gleichmässigen Tempo im Umlauf über die Strecke. Die Seile sind dabei jährlich rund 2’700 Betriebsstunden im Einsatz. Eine solche Beanspruchung erfordert regelmässige Wartungsarbeiten.

Sicherheit ist das A und O

Die Tragseile wurden planmässig verschoben, ohne dass Zwischenaufhängungen demontiert werden mussten. Fahrbahn 1 wurde dabei um 16,5 Meter und Fahrbahn 2 um 19 Meter talwärts verschoben. Die unterschiedlichen Verschiebelängen ergaben sich, weil die Stationssättel der beiden Fahrbahnen nicht gleich lang sind. Es wurde jeweils nur so weit verschoben, wie es technisch notwendig ist. Während des gesamten Verschiebevorgangs mussten die Tragseile zudem magnetinduktiv geprüft werden. Damit wurde sichergestellt, dass mögliche Schäden oder Veränderungen im Seilinnern frühzeitig erkannt werden.

Nach der Verschiebung wurden die Zwischenaufhängungen um die entsprechende Länge bergwärts versetzt. Durch dieses Verfahren wurden Abnutzungen neu verteilt und besonders stark beanspruchte Seilbereiche entlastet. Die Tragseile wurden an beiden Stationen fest abgespannt und über Poller geführt. Das Verfahren hatte sich bereits bewährt und war in Koblenz schon 2015 und 2020 erfolgreich angewendet worden.

Gleichzeitig wurde erstmals seit der Inbetriebnahme auch das Zugseil ersetzt. Das bisher verwendete 6‑litzige Zugseil hatte in seinen 16 Einsatzjahren Millionen von Fahrgästen sicher über den Rhein transportiert. Nun kam neu ein 8‑litziges Zugseil zum Einsatz, das dank seiner Bauart eine höhere Laufruhe sowie eine längere Lebensdauer bietet. Zwar wäre die Sicherheit des bisherigen Zugseils weiterhin gewährleistet gewesen, doch weil für die Tragseilarbeiten ohnehin schwere Geräte und Werkzeuge im Einsatz waren, liess sich dieser Schritt jetzt einfach mit umsetzen. Anders als beim ersten Seilzug im Jahr 2010, der mit Hubschrauber und Schiffen erfolgte, wurden das alte und das neue Zugseil heute direkt miteinander verbunden und kontrolliert nachgezogen. Anschliessend folgte das Spleissen, also Verflechten der Drahtstränge beider Enden miteinander, damit die Endlosverbindung entstand.

Der Kunde hatte zusätzlich weitere Instandhaltungsarbeiten beauftragt. Dazu gehörten neue Gummieinlagen an den Umlenkscheiben in der Berg- sowie Talstation. An der Antriebsscheibe in der Bergstation war hingegen eine spezielle Einlage erforderlich, da diese Scheibe die Adhäsionskraft zwischen Seil und Scheibe überträgt. Eine Gummieinlage war hierfür ungeeignet, da sie den erforderlichen Reibwert nicht erreicht.

Neu entwickelte Winde für enge Platzverhältnisse

Für die Seilarbeiten in Koblenz setzte Garaventa eine neu mitentwickelte ZECK-Winde ein. Die von Garaventa und Hersteller ZECK - stringing machines | equipment entwickelte Winde ist auf Arbeiten in engen und schwer zugänglichen Bereichen ausgelegt. Die Winde ist deutlich leichter als bisherige Modelle und in einzelne Module zerlegbar. So lässt sie sich einfacher transportieren und gut verfrachten, auch für Einsätze auf anderen Kontinenten.

Die Winde ist darauf ausgelegt, Seile drallfrei zu ziehen und zu bremsen. Dabei sind Zug- und Bremskräfte bis zu 15 Tonnen möglich. In Koblenz kam die Winde zum zweiten Mal zum Einsatz. Zuvor war sie beim Seilzug der zweiten Linie Birg–Schilthorn des Projekts Schilthornbahn 20XX eingesetzt worden, wo sie ihre Stärken unter Beweis gestellt hatte und anschliessend für den Einsatz in Koblenz weiter optimiert wurde.

Die Seilbahn verläuft über eine stark frequentierte Strasse, eine Eisenbahnlinie und quert den Rhein, über dem der Schiffs- und Güterverkehr durchgehend verläuft und nicht unterbrochen werden kann. Während der Arbeiten mussten die Seile deshalb jederzeit in sicherer Höhe geführt werden, damit weder der Strassen- und Bahnverkehr noch der Schiffsverkehr beeinträchtigt wurden. Alle Arbeitsschritte wurden so geplant und ausgeführt, dass diese Verkehrswege aufrechterhalten blieben.

Die Arbeiten verliefen planmässig, sodass die Seilbahn Koblenz ab dem 14. März 2026 ihren Betrieb wiederaufnehmen kann.

35-TGD Seilbahn Koblenz (DEU)

Kunde: Skyglide Event Deutschland GmbH
Schräge Länge: 890 m
Höhenunterschied: 112 m
Förderleistung: 3‘800 P/h
Fahrgeschwindigkeit: 4.5 m/s
Baujahr: 2011







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