seilbahn.net | Themenbereiche | Seilbahnen | 2026-05-19

Säntis: Rückbau trifft auf Neubau

Am 30. April 2026 um 15.41 Uhr traf die Kabine der bestehenden Schwebebahn zum letzten Mal mit Gästen in der Schwägalp ein. Damit endet eine Ära, die seit 1974 bestand und gleichzeitig beginnt mit dem Neubau-Projekt «Säntis 2026» ein neues Kapitel.

Letzte Materialtransporte für den Neubau

Bereits am 1. Mai um 7.00 Uhr wurde mit der Demontage der bestehenden Bergebahn begonnen. In einem ersten Schritt wurden das Bergeseil sowie die zugehörigen Installationen im Räderraum zurückgebaut.
Parallel zu diesen Arbeiten wurden weiterhin Materialtransporte auf den Säntisgipfel durchgeführt. Sämtliches Stützenmaterial sowie das Material für die Bergstation wurden ausschliesslich mit der bestehenden Schwebebahn transportiert. Über den Seilzug konnten dabei Lasten von bis zu 6 Tonnen auf den Gipfel befördert werden.

Die Logistik stellte eine besondere Herausforderung dar, denn das umfangreiche Material musste in abgestimmter, chronologischer Reihenfolge sowohl am Gipfel als auch auf der Stützenplattform platziert werden, um den späteren Bauablauf effizient sicherzustellen.

Für die Zwischenlagerung an der Stütze war zudem eine Erweiterung der bestehenden Arbeitsplattform erforderlich. Diese wurde durch Schneeräumungsarbeiten mit Baggern und Schneefräsen vorbereitet. Insgesamt werden für den Bau der neuen Stütze über 160 Tonnen Material benötigt. Zu den besonders schweren Bauteilen zählen unter anderem die Seilsättel mit Einzelgewichten von bis zu 4.5 Tonnen.
Bereits seit Anfang April werden die Arbeiten durch die Monteure der Garaventa unterstützt, die für den Bau der neuen Pendelbahn verantwortlich sind.

Abbau der bestehenden Bahn

Im nächsten Schritt wurde in der vergangenen Woche die Demontage der zwölf Zugseilträger mithilfe der bestehenden Bahn durchgeführt. Die Zugseilträger haben die Aufgabe, bei langen Spannfeldern ein Durchhängen des Zugseils zu verhindern. Mit dem Rückbau dieser Aufhängungen ist ein regulärer Bahnbetrieb nicht mehr möglich.

Anschliessend wurden die Arbeiten zum Rückbau des Zugseils aufgenommen. Dabei handelt es sich um einen aufwändigen Prozess mithilfe von installierten Flaschenzügen am oberen und unteren Zugseil. Dabei wurden die beiden Seilenden zusammengezogen, damit die Klemmkopfbolzen am Laufwerk gezogen werden konnten. Somit war das Laufwerk frei vom Zugseil, für den nachfolgenden Demontage-Prozess.

In der Folge wurde ein Pendelbetrieb mit einem Hilfslaufwerk aufgenommen, sodass Kabine 2 kontrolliert talwärts gefahren werden konnte und beide Kabinen sich in der Talstation befanden.

Für das Abhängen der zweiten Kabine wurden vor beiden Kabinen erneut Flaschenzüge montiert. Dadurch konnte das Zugseil sowohl im Maschinenraum als auch über die Umlenkscheiben fachgerecht demontiert werden.

Am Dienstag, 12. Mai, wurden in einem mehrstündigen Prozess die Laufwerke und damit auch die Kabinen mithilfe eines Pneukrans aus den Tragseilen gehoben. Hierfür mussten zunächst die Klemmköpfe gelöst werden, was in luftiger Höhe durch die Monteure von Garaventa erfolgte. Anschliessend konnten die Kabinen mit dem Pneukran der Emil Egger AG aus den Tragseilen gehoben und sicher auf den Boden abgesetzt werden.

Anschliessend wurden die Laufwerke sowie die Gehänge demontiert. Die Kabinen wurden anschliessend verladen und stehen nun für rund zwei Wochen auf der Schwägalp. Über den weiteren Verbleib der Kabinen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Errichtung der Abspannriegel bei der Talstation

Bereits im Februar erfolgten bei der Talstation die erforderlichen Aushubarbeiten mit Baggern zur Vorbereitung der Betonfundamente für die provisorische Abspannung der Tragseile. Parallel dazu wurden auf der Schwägalp bei der alten Passstrasse Übergänge errichtet, welche es ermöglichen, die Tragseile abzulegen und zu sichern. Dadurch wird verhindert, dass die Seile über mehrere Monate hinweg direkt auf dem Boden liegen.

Insgesamt wurden zwei Abspannriegel mit jeweils 8 m³ Beton erstellt. Für den späteren Seilzug, sprich den Einzug der neuen Tragseile, werden die bestehenden Tragseile genutzt. Am Berg werden zwei bestehende Tragseile provisorisch miteinander verbunden, während im Tal nacheinander die neuen Tragseile gekoppelt werden. Durch diesen Seilzug können die alten Tragseile schrittweise durch die neuen ersetzt werden.

Auf diese Weise lassen sich die neuen, 50 Tonnen schweren Tragseile mithilfe dieses Seilzugs durch zwei installierte Winden kontrolliert nach oben ziehen. Dieser bewährte Prozess ermöglicht es, die Seile über Zug und Bremskräfte zu bewegen und dabei ohne Bodenkontakt bis zum Gipfel zu transportieren.

Ausbau Maschinenraum

Wie bereits im Räderboden auf dem Säntisgipfel wurden auch in der Talstation die Wände verstärkt, damit die Gebäudestruktur den künftig höheren Kräften standhalten kann. Um die Sicherheit auch während des zuvor laufenden Bahnbetriebs jederzeit zu gewährleisten, wurden im Bereich des Antriebs temporäre Schutzwände errichtet.

Das neue Antriebssystem in der Talstation besteht aus zwei Hauptantrieben und Hilfsantriebe für die Hoteleinspeisung, inklusive Getriebe und Bremsen. Bei einem Ausfall eines Systems ist ein Betrieb mit reduzierter Nutzlast jederzeit gewährleistet. Zusätzlich sorgen zwei neue Notstromaggregate für die Sicherstellung der elektrischen Versorgung im Falle eines Stromausfalls.

Wie bei der bestehenden Bahn werden auch bei der neuen Anlage die Zugseile in der Talstation angetrieben. Die Abspannung der Zugseile erfolgt weiterhin auf dem Säntisgipfel und wird mittels Flaschenzugs und einem 80 Tonnen schweren Spanngewicht realisiert.









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