seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2026-01-30

LATE NIGHT LENZERHEIDE: Datenbasierte Antworten auf den Klimawandel im alpinen Tourismus

Wie können alpine Destinationen ihre Zukunft zwischen Schneesport, Sommertourismus und Klimawandel strategisch sichern? Diese Frage stand im Zentrum der öffentlichen Informationsveranstaltung «Gesprächsstoff 2026 – Late Night Lenzerheide», die sich am 14. Januar 2026 über 200 Gäste aus Tourismus, Marketing, Bergbahnen, Politik und Wirtschaft erfreute. 

Einen zentralen inhaltlichen Impuls lieferte Prof. Dr. Reto Knutti, einer der renommiertesten Schweizer Klimaforscher. In seinem Referat «Lenzerheide gegen die Klima-Uhr» zeigte er anhand aktueller wissenschaftlicher Daten auf, wie sich Schneesicherheit, Saisondauer und touristische Rahmenbedingungen in den Alpen verändern und welche Konsequenzen dies für Investitionen und Angebotsstrategien hat.

Die natürliche Schneemenge hat seit 1960 in tieferen Lagen berits um rund 40 Prozent abgenommen. Gemäss den präsentierten Szenarien steigt die Höhenlage, ab der Wintersport zuverlässig möglich ist, bis 2050 um weitere rund 200 Höhenmeter. Während tiefe Lagen stark betroffen sind, bleiben hohe Lagen auch langfristig wintersporttauglich. Investitionen in den Wintertourismus seien deshalb insbesondere dort sinnvoll, wo sie datenbasiert und langfristig abgesichert seien.
 
Knutti betonte zudem die wachsende Bedeutung technischer Beschneiung, wies jedoch auch auf deren Grenzen hin: Sinkende Kältefenster erfordern leistungsfähigere Anlagen und höhere Investitionen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Chancen im Sommer- und Zwischensaisontourismus, da die Nachfrage nach kühleren Reisezielen zunimmt und ein breiteres Angebot die Auslastung ausserhalb der Winterspitzen stärkt.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die strategische Diskussion zur Weiterentwicklung von Lenzerheide als Ganzjahresdestination. Marc Schlüssel, CEO der Lenzerheide Marketing und Support AG, ordnete ein: «Der Winter bleibt unser wirtschaftliches Rückgrad. Gleichzeitig müssen wir Sommer, Herbst und Zwischensaisons gezielt weiterentwickeln – mit klaren Produkten, neuen Geschäftsmodellen und einer ehrlichen Kommunikation.»

Im Anschluss zeigte Marco Vögeli mit dem Thema «Future Lenzerheide» konkrete, bereits laufende Initiativen auf, darunter den neu gegründeten Lenzerheide Future Fonds. Die gemeinsame Initiative der Lenzerheide Bergbahnen AG, der LMS AG sowie der Gemeinden Vaz/Obervaz und Churwalden verfolgt das Ziel, lokal wirksame Nachhaltigkeitsprojekte mit messbarem Impact umzusetzen.
Weitere Programmpunkte waren ein Rückblick auf das Tourismusjahr 2025, ein Kurzinterview mit Nino Schurter, Einblicke in die ersten 100 Tage der neuen Führung der Bergbahnen sowie Ausblicke auf Projekte und Events 2026. Moderiert wurde der Abend von Stefan «Büssi» Büsser, der Fachlichkeit, Humor und Dialog gekonnt verband.

Die Late Night Lenzerheide machte deutlich: Zukunftsfähiger alpiner Tourismus braucht belastbare Daten, klare Strategien und den frühzeitigen Einbezug aller relevanten Akteure.



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