seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2026-04-03

15. Gemeinsame Südtiroler und Tiroler Seilbahntag im NOI Techpark in Bozen

Rede des Präsidenten des Verbandes der Seilbahnunternehmer Südtirols, Helmut Sartori

Die Idee einer gemeinsamen Tagung entstand 1996 in St. Jakob in Osttirol anlässlich der Tiroler Seilbahntagung. Die Beständigkeit im Austausch hat sich über all die Jahre bewährt, es freut uns, dass der Gemeinsame Seilbahntag heuer bereits zum fünfzehnten Mal ausgetragen wird. Erfreulich ist auch, heute zahlreiche Seilbahnfreunde aus dem Trentino begrüßen zu dürfen.
Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino ist eine wirtschaftliche und touristische Region von herausragender Bedeutung: Gemeinsam decken wir mit unserem Angebot 60% des Marktes für Wintertourismus in den Alpen. Die größten Herstellerfirmen der Branche haben ihren Sitz in der Europaregion. Unsere Arbeit, unsere Investitionen setzen Maßstäbe und sind Impulsgeber für die gesamteuropäische Branche.
Aber auch im globalen Kontext ist unsere Arbeit von Bedeutung. Die USA haben weltweit den größten nationalen Skitourismusmarkt. Die europäische Alpenregion ist hingegen mit 163 Millionen Skier Visits und 44% des globalen Marktes die wichtigste Skiregion der Welt. Betreiber, Hersteller und Mitarbeiter unserer Alpenregion bilden sozusagen das Innovationszentrum für die Seilbahnbranche. Wertevertretend hierfür steht auch der diesjährige Austragungsort der Tagung.

Im Jahr 2023 wurden beispielsweise in Südtirol 161 Millionen Euro in neue, nachhaltige und energieeffiziente Technologien investiert. Im Besonderen flossen 103 Millionen Euro (64,2 %) in Infrastrukturen, 34 Millionen Euro (21,2 %) in den Kauf von Betriebsgeräten (Schneekatzen, Fahrzeuge, Schneekanonen usw.) und 23,5 Millionen Euro (14,6 %) wurden für sonstige Investitionen aufgewendet.
Ohne diese Investitionen könnten wir unsere Marktanteile nicht halten und den Herausforderungen des Wettbewerbs standhalten.

Die Bedürfnisse unserer Gäste verändern sich laufend. Immer weniger Urlauber buchen die traditionelle „weiße Woche“, vielmehr bevorzugen sie mittlerweile Kurzaufenthalte, die sie mehrmals im Jahr in die Berge führen. Urlaub wird heute weniger als Flucht aus dem Alltag empfunden, sondern bedeutet für viele, sich selbst zu erweitern und persönliche, individuelle Bedürfnisse zu erfüllen, die mit den eigenen Werten und Lebensstil übereinstimmen. Viele sehnen sich nach dem Ausgleich in der Natur und den Bergen, setzen auf Fitness und Leistungssport und wissen längst, wie wichtig Bewegung ist.
Diese Veränderung im Buchungsverhalten spiegelt sich in den steigenden Zahlen der Gästeankünfte und Übernachtungen wider. Die vorläufige Zahl der Gästeankünfte im Dezember 2025 beträgt 780.665 (+6,5 % gegenüber demselben Monat des Vorjahres) und jene der Übernachtungen 2.921.272 (+7,5 %). Im Jänner 2026 werden laut Landesinstitut für Statistik (ASTAT) 733.038 Ankünfte (+6,1 % gegenüber demselben Monat des Vorjahres) und 3.400.190 Übernachtungen (+1,6 %) verzeichnet.

Die stabile Nachfrage zeigt, dass sich Investitionen, Mühe und Arbeit lohnen.

Allerdings gibt es auch weniger entwickelte Gebiete und Seilbahnunternehmen mit begrenzten Investitionskapazitäten, diese gilt es besonders zu unterstützen und zu fördern, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die wirtschaftlichen Bemühungen, die unser Sektor unternehmen muss, mit immer höheren Kosten verbunden sind. Man denke bloß an den massiven Anstieg der Energie- oder Treibstoffkosten, die sich unverhältnismäßig stark erhöhen und sich seit Wochen auf Rekordhoch befinden.

In einer Weltordnung, so wie wir sie heute vorfinden, in der nahezu kein Stein mehr auf dem anderen sitzt und Risiken von Investitionen kaum kalkulierbar sind, sind Wirtschaftsförderungen das richtige Signal an heimische Betriebe. Investitionen der öffentlichen Hand in Betriebe stellen zeitgleich Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit,
 
Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit dar, vor allem sind es auch Investitionen in die Wertschöpfung und eine Stärkung des eigenen Marktes.

Der Seilbahnsektor hat in Südtirol in der Saison 2023/2024 rund 2,7 Milliarden Euro an touristischen Ausgaben generiert. Zum Vergleich: In anderen italienischen Alpenregionen lagen die touristischen Ausgaben bei rund 882 Millionen Euro. Auch die öffentlichen Finanzen profitieren von dieser dynamischen Branche: Allein in der Provinz Bozen flossen 280 Millionen Euro an Steuern im genannten Zeitrahmen in die öffentlichen Kassen.

Wir alle profitieren: 1 Million Euro an Einnahmen für die Aufstiegsanlagen haben lokale touristische Ausgaben in Höhe von 5,63 Millionen Euro sowie einen lokalen Umsatz von 9,36 Millionen Euro (Wert der lokalen Produktion) zur Folge und generieren 4,53 Millionen Euro an Mehrwert im Land.

Es gibt zahlreiche Beispiele, auch in der jüngeren Geschichte des Binnenmarktes, die aufzeigen, dass sich eine breite Aufstellung der europäischen Wirtschaft mit diversen Standbeinen bewährt. Das sieht man auch jetzt, wenn Zölle Europas Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel schwächen.
Die Landschaft, die Berge und Sehenswürdigkeiten, die europäische Länder bieten, stärkt die europäische Wirtschaft und bildet das Rückgrat in bewegten Zeiten.

Die Gäste werden zunehmend internationaler, wobei in Südtirol über die Wintermonate nach wie vor italienische Gäste (rund 37 %) und deutsche Gäste (rund 32 %) den Hauptanteil ausmachen. Italienweit, so Schätzungen der italienischen Beobachtungsstelle für Bergtourismus („Osservatorio Italiano del Turismo“), erfreut sich der Wintersport zunehmender Beliebtheit: vier Millionen Menschen üben Wintersportarten aus, die Liste wird mit 2,5 Millionen Skifahren angeführt. Vom Winterhalbjahr 2023/24 bis ins Winterhalbjahr 2024/25 konnte ein Zuwachs von 1,8% verzeichnet werden, also 73.500 neue begeisterte Skifahrer in Italien.

Der Klimawandel ist eine Realität, mit der wir uns in der Seilbahnbranche auseinandersetzen. In den letzten 40 Jahren haben sich die Schneebedingungen verändert – weniger Schneehöhen am Boden und weniger Neuschnee.

Nachhaltigkeit stellt für Südtirols Aufstiegsanlagen längst einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor dar, denn der Berg und die Natur zählen für die Branche zur wertvollsten Ressource.
Die Mehrheit unserer Mitgliedsunternehmen beziehen mittlerweile ausschließlich grüne Energie, Fuhrpark und Pistenpräparierungsgeräte werden zunehmend, dank laufender Investitionen, durch erneuerbare Energieträger betrieben. Parkplätze, Aufstiegsanlagen, dazu gehörende Gebäude und Speicherbecken bieten viel Potential und Nutzungsfläche für weitere Photovoltaikanlagen. Alle in Südtirol bestehenden mittleren und großen Skigebiete führen laufend Erhebungen und Analysen zu Treibhausgasemissionen durch.

Das Ergebnis: Der Wintertourismus ist, wie jede wirtschaftliche Aktivität, mit CO2-Emissionen verbunden. Jedoch sind lediglich 6% der durch Wintertourismus verursachten Emissionen auf den Betrieb des Skigebiets zurückzuführen. Die maschinelle Beschneidung wird nahezu vollständig mit grüner Energie betrieben, der ökologische Fußabdruck bleibt also gering. Bricht man die Zahlen auf den einzelnen Skifahrer runter, dann werden durch die technische Beschneiung 150g CO2 pro Skifahrertag verursacht, das entspricht 1km mit dem Dieselauto.
Abgesehen von der technischen Beschneiung, kann die Seilbahn an sich weltweit als nachhaltige Mobilitätslösung überzeugen.

Es stehen alle Zeichen dafür, dass wir zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Herausforderungen, die vor uns liegen, erfordern weiterhin Innovation, Zusammenarbeit und den Mut, neue Wege zu gehen. Gute Buchungen, Rekordzahlen bei Erstzutritten und steigende Beschäftigungszahlen bestätigen aber, dass wir unsere Arbeit richtig machen und dass sich unsere Arbeit lohnt.

Statement von Thomas Schroll, der in Vertretung der Fachgruppe Tiroler Seilbahnen anstatt Stefan Mangott dabei war. 

Wir blicken auf einen Winter zurück, der fast schon gewohnt außergewöhnlich war. Es ist nun schon der 2. Winter in Folge mit relativ wenig Naturschnee zum Saisonauftakt.

Ohne einer schlagkräftigen Beschneiung wäre bei fast allen Betrieben ein Saisonbeginn, ja sogar ein Skibetrieb über Neujahr hinaus nicht möglich gewesen. Hier sind jedoch die meisten Schigebiete mittlerweile sehr gut aufgestellt.

Die Beschneiungszeiten werden tendenziell kürzer und windanfälliger und dies hat uns gezeigt, dass hier schon noch Luft nach oben ist und einige Kollegen werden hier auf den kommenden Winter noch nachschärfen. Der Februar war durch turbulentes Wetter mit viel Wind und starkem Niederschlag geprägt und gerade in lawinentechnischer Sicht mehr als fordernd.
Bei frühlingshaften Temperaturen Anfang März haben schon viele Sportler gefühlt das Fahrrad gegen die Ski getauscht.

Es ist generell eine Buchungsverlagerung vom März in den Jänner zu spüren. Das früher bekannte Januarloch gibt es eigentlich nicht mehr. Die letzten 2 Wochen haben jedoch uns und auch unseren Gästen gezeigt, dass der Winter noch nicht vorbei ist. Traumhafte Pistenbedingungen und winterliche Temperaturen haben unseren Gästen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Das überwiegend schöne Wetter hat generell für eine gute Stimmung unter den Gästen gesorgt und nach Rückfrage würden viele unserer Kollegen so eine Wintersaison sofort wieder nehmen.

Unsere Branche ist insgesamt gesund und gut aufgestellt, doch die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd. Trotz der wirtschaftlichen Schwäche in Mitteleuropa, vor allem in Deutschland, stellen wir fest, dass die Nachfrage nach Urlaub und Wintersport stabil bleibt. Laut aktuellen Erhebungen betreiben rund 84 Prozent der Tiroler Winterurlauber alpinen Wintersport. Das zeigt deutlich: Die Menschen sehnen sich danach sich zu bewegen und gemeinsame Zeit mit Freunden oder der Familie in der Natur zu verbringen.

Gleichzeitig müssen wir für Veränderungen stets gewappnet sein und uns bewusst machen: Wirtschaftlicher Erfolg ist kein Selbstläufer. Gerade in Zeiten rapider Veränderungen können sich Geschäftsfelder aufgrund neuer Rahmenbedingungen sowohl positiv als auch negativ entwickeln. Wir müssen flexibel bleiben und uns auf Veränderungen einstellen.

Erfreulich ist, dass sich die öffentliche Diskussion um den alpinen Tourismus in den letzten beiden Jahren etwas beruhigt hat. Zum einen, weil die Erkenntnis, dass der alpine Tourismus – was Nachhaltigkeitsbemühungen betrifft – schon sehr weit ist und wir hier auch weiterhin vorangehen wollen. Zum anderen, da der Tourismus als einer der stabilsten Wirtschaftszweige einen wesentlichen Beitrag zum öffentlichen Haushalt leistet und damit zunehmend als zentraler Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird.

Apropos zentraler Wirtschaftsfaktor:
Am 5. Juli 1926 wurde die Zugspitzbahn in Tirol eröffnet und aus diesem Grund feiert Tirol und ganz Österreich heuer 100 Jahre Seilbahngeschichte.

Wir feiern:
100 Jahre Pioniergeist
100 Jahre Innovation
100 Jahre die einen wesentlichen Beitrag zum heutigen Wohlstand, gerade in unseren Seitentälern, ermöglicht haben.
Dieser Anlass lässt uns aber nicht nur zurückblicken, sondern wir wollen auch gemeinsam nach vorne schauen und somit könnten die Themen des heutigen Seilbahntages nicht treffender sein.
Zum Abschluss noch ein persönlicher Gedanke:
Wir Seilbahnen bewegen Menschen von A nach B, bergauf - bergab. Wir Seilbahnen bewegen Menschen auch emotional - und vor allem DAS ist seit 100 Jahren unsere Erfolgsgeschichte.







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