seilbahn.net | Themenbereiche | Wirtschaft | 2026-04-29

Mountain Planet: Internationaler Bericht über Schnee- und Bergtourismus 2026

Globaler Rückblick auf die Wintersaison 2024/25

Die 18. Ausgabe des „International Report on Snow & Mountain Tourism“ wurde von Laurent Vanat während der Eröffnungskonferenz der Fachmesse Mountain Planet in Grenoble vorgestellt. Diese weithin anerkannte Referenzpublikation bietet einen globalen Überblick über die Skisaison 2024/25 und analysiert die Entwicklung der Skiindustrie weltweit.

Die Saison markiert das Ende des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts – ein Zeitraum, der durch die Covid-19-Pandemie eine unerwartete Unterbrechung erlebte. Diese beeinträchtigte die Tourismusströme massiv und führte im Winter 2020/21 zu einem Einbruch der weltweiten Skifahrertage um fast 50 %. Damals kam eine entscheidende Frage auf: Würde sich die Skiindustrie, die oft als anfällig für den Klimawandel dargestellt wird, wieder erholen können?

Die in dieser Neuausgabe präsentierten Daten geben eine klare Antwort: Ja. Die Skiindustrie hat eine starke Widerstandsfähigkeit bewiesen und ihre Dynamik erfolgreich zurückgewonnen.

Skigebiete haben den Klimawandel in ihre operativen Strategien integriert. Da sie an vorderster Front stehen, um dessen Auswirkungen zu beobachten, haben sie ihre Praktiken und Investitionen entsprechend angepasst. Die Zahlen zeigen, dass der Klimawandel zum jetzigen Zeitpunkt nicht den Zusammenbruch der Branche ausgelöst hat, der von bestimmten Mainstream-Narrativen oft vorhergesagt wird. Skifahrer besuchen die Skigebiete weiterhin in großer Zahl.

Mit 399 Millionen Skifahrertagen weltweit ist die Wintersaison 2024/25 die stärkste des ersten Viertels dieses Jahrhunderts und übertrifft den bisherigen Rekord von 392 Millionen aus der Saison 2018/19. Nach der pandemiebedingten Unterbrechung hat sich der Wachstumskurs des letzten Jahrzehnts deutlich fortgesetzt.

Highlights der Saison 2024/25

In einem zunehmend herausfordernden globalen Umfeld zeichnet sich die Wintersaison 2024/25 durch mehrere Schlüssel-Trends aus:

  • Erholung: Die meisten Länder verzeichneten Besucherzahlen, die über ihrem Fünfjahresdurchschnitt vor Covid liegen.
  • Rekorde: Mehrere Destinationen erzielten Rekordbesuche trotz begrenzter natürlicher Schneefälle.
  • Wachstum: Die Besucherzahlen stiegen in allen wichtigen Regionen im Vergleich zur Vorsaison.
  • Stabilität: Das Angebot blieb stabil; es gab keine größeren Änderungen bei der Anzahl der Liftanlagen weltweit.
  • Bestand: Die Anzahl der Skigebiete zeigt global keinen Abwärtstrend.
  • Saisonpässe: Das Modell der Saisonpässe beeinflusst weiterhin die Nachfrage, scheint aber in den USA einen Wendepunkt (Inflektionspunkt) erreicht zu haben.
  • Preise: Die Kassenpreise steigen tendenziell schneller als der tatsächliche Umsatz pro Skifahrertag, was zu sinkenden Renditen führt.
  • Ausnahmen: In zwei Ländern fand im Winter 2024/25 aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen kein Skibetrieb statt (nicht aus klimatischen): Israel und Südafrika.

Im Vergleich zum Durchschnitt der fünf Spielzeiten vor der Pandemie haben sich die meisten Märkte nun vollständig erholt – und in vielen Fällen ihre früheren Besucherzahlen übertroffen. Zum zweiten Mal in Folge führt China das Ranking der Länder an, deren Performance über dem historischen Vor-Covid-Schnitt liegt. Auch die USA, Italien und Russland bestätigen die positive Dynamik der letzten Saisons. Die Schweiz scheint ebenfalls wieder stark an Fahrt zu gewinnen. Im Gegensatz dazu bleiben Japan und Deutschland die Länder, in denen eine Rückkehr zum Besucherniveau von vor der Pandemie am ungewissesten ist.

Besucherzahlen entkoppeln sich zunehmend vom Schneefall

Der Winter 2024/25 verdeutlichte zudem einen wachsenden strukturellen Trend: In vielen Skimärkten hängt die Besucherzahl immer weniger direkt von den natürlichen Schneebedingungen ab.

In mehreren europäischen Destinationen lag der Schneefall unter dem Durchschnitt, insbesondere in mittleren Lagen und im Januar. Dennoch blieben die Besucherzahlen in vielen Märkten stabil oder stiegen sogar an. Eine flächendeckende Beschneiung, effiziente Betriebsabläufe, eine starke Nachfrage während der Ferien und allgemein günstige Wetterbedingungen halfen dabei, die Attraktivität der Skigebiete zu erhalten.

Die Schweiz verzeichnete ihr bestes Ergebnis seit mehr als fünfzehn Jahren, während Italien die dritte positive Saison in Folge erreichte. Auch in Frankreich, Österreich, Spanien und Andorra stiegen die Besucherzahlen trotz schwieriger meteorologischer Bedingungen. Nordeuropa war eine der wenigen Regionen, die stärker von der Wettervariabilität betroffen waren, da die nordischen Märkte nach wie vor stärker vom Naturschnee abhängig sind.

In Nordamerika blieb der Schneefall in mehreren Gebieten unter dem Durchschnitt, aber das Besucherniveau war hoch. In Asien erlebte Japan gegensätzliche Bedingungen zwischen Honshu und Hokkaido, während die Rückkehr internationaler Besucher zur Gesamtnachfrage beitrug.

Insgesamt illustriert der Winter 2024/25 die operative Resilienz der Skiindustrie. In vielen Destinationen reichten effizientes Management, zuverlässige Beschneiung und freundliches Wetter aus, um trotz begrenzten Naturschnees ein hohes Besucherniveau zu halten.

Reichweite

Derzeit gibt es weltweit 68 Länder, die ausgestattete Outdoor-Skigebiete mit Schneebedeckung anbieten. Weltweit wurden etwa 2.000 Skigebiete identifiziert. Neben den großen Skidestinationen gibt es eine Reihe kleinerer Ziele, in denen Skifahren schon lange eine Industrie ist oder sich gerade entwickelt. Die offensichtlichsten Schwellenländer sind Osteuropa und China, aber es gibt zahlreiche weitere kleine Akteure rund um den Globus: Zypern, Griechenland, Indien, Iran, Israel, Libanon, Lesotho, Marokko, Neuseeland, Pakistan, Südafrika, die Türkei und viele mehr.

Über Laurent Vanat

Laurent Vanat ist ein unabhängiger internationaler Berater mit einem Master-Abschluss in Wirtschafts- und Industriewissenschaften der Universität Genf. Spezialisiert auf Geschäftsstrategie, Management und Marktanalysen, ist er zu einem anerkannten Experten für Alpintourismus und die Skigebietsbranche geworden. Seit 2009 veröffentlicht er jährlich den „International Report on Snow & Mountain Tourism“, der als umfassendste unabhängige Benchmarking-Ressource über die Leistung von Skigebieten gilt.

Hinweis: Der kostenlose digitale Zugang zum Bericht ist auf Mitwirkende und Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne beschränkt. Gedruckte Exemplare können online über die Website des Autors erworben werden: 

https://www.vanat.ch/



Zurück
Fotos hinzufügen
Drucken
Email